Samstag, 30. August 2008
sun-sun-sun
solsikkeblomst, 20:39h

Juchu! Ich habe es schliesslich geschafft, mich aus der wunderbaren Sonne und unter dem unglaublich blauen Himmel weg hinein in das naechste Cafe auf dem Campus zu bewegen, um endlich meinen ersten Bericht in meinem allerersten Blog *strahlend vor lauter Stolz* zu schreiben. Ich sitze uebrigens im "Free-Speech-Movement-Cafe", das nach dieser Bewegung von 1964 benannt ist, bei der die Studenten hier fuer die Meinungsfreiheit gekaempft haben.
Ich bin jetzt seit 2 1/2 Wochen hier und es ist schon soviel passiert...
Das Wichtigste zuerst: ich habe ein Zimmer gefunden!
Und nicht nur irgendein Zimmer, sondern bei einer sehr, sehr netten aelteren Dame in einem traumhaft schoenen Haus mit fast noch schoenerem, grossen Garten. Es liegt ziemlich am Hang, so dass man jedesmal ganz aus der Puste ist, wenn man die Stufen schliesslich erklommen hat. Aber das haelt eben fit, wie auch die ganzen anderen Huegel auf der Ostseite der Stadt und in der oberen Haelfte des Campus.
Barbara, meine Vermieterin, lebt selbst in diesem Haus, welches ihrer Familie schon seit einigen Jahrzehnten gehoert. Ihr Vater war Deutscher und Professor fuer Forstwissenschaften hier an der Uni, weshalb er auch den Spitznamen Mr. Redwood bekam.
Ausser mir wohnen noch Isabelle, auch Studentin, und Cliff, ein ehemaliger Student, in dem Haus.
Zur Zeit ist auch gerade Narumi, Barbaras japanische Enkelin, zu Besuch.
Alle sind sehr nett, wir haben uns sofort gut verstanden und schon beim ersten Treffen, als ich vorbeikam, um mir das Haus anzuschauen, sind wir aus dem Quatschen gar nicht rausgekommen.
Nachdem Barbara und die anderem nach einem weiteren Treffen beschlossen hatten, dass sie mit mir auskommen werden und ich einziehen darf (juchuuu!), habe ich natuerlich erstmal Freudenspruenge gemacht. Die Tage davor, als ich von der Coop-Verwaltung (dder Verband von Studentenwohnheimen, bei dem ich mich beworben hatte) erfahren hatte, dass das diesen Herbst wohl nichts mehr wird, waren furchtbar. Ich war so nervoes und wusste nicht so richtig, wie es weitergeht. Aber dann hat sich ja zum Glueck gleich eine Loesung gefunden, und dann auch noch so eine tolle!
Am Montag (uebermorgen) kann ich einziehen, dann schliesst naemlich das YMCA-Hotel, in dem ich gerade noch bin (bin auch nicht boese, wenn ich da wieder rauskann, so langsam nervt es...Bauarbeiten, nicht besonders sauber...das Zimmermaedchen ist zwar sehr nett und gruendlich, dass nuetzt aber leider nichts, wenn die anderen Bewohner es nicht sind. Auf meinem Flur sind auch seltsamerweise nur Maenner, von denen manche anscheinend Dauerbewohner sind und ziemlich stinken - und nein, ich bin nicht im falschen Hotel, falls das jetzt jemand denkt, es gibt auch Frauen im Haus, nur anscheinend nicht auf meiner Etage - also eben MGH-extrem, wuerde ich mal sagen!) Aber umso groesser ist die Freude, bald in mein neues Zimmer zu ziehen!
Kurze Anmerkung: ich hoere gerade die ersten groelenden Fans nach dem ersten Football-Spiel der Saison ueber den Campus wandern... und immer schoen die braune Papiertuete ueber der Bierdose... Letzte Woche war eine Freundin auf einer "Frat-Party" (Fraternity = Verbindung, traditionell bekannt fuer ihre wilden Parties...). Sie war zum Glueck anstaendig, aber einige ihrer Freunde haben es tatsaechlich gewagt, die offene Bierdose mit auf die Strasse zu nehmen, nachdem die Verbindungsleute sie rausgeworfen haben, weil sie vermutet hatten, dass die Polizei im Anmarsch ist. Die armen Schweine mussten ueber 100 (oder sogar mehrere hundert, man weiss es nicht genau) $ Strafe zahlen, als die Polizei dann tatsaechlich kurze Zeit spaeter auftauchte. Und das Verbot mit dem Alkohol gilt nicht nur auf dem Campus, sondern auch so in der Stadt.
In der ersten Woche hier also Organisatorisches erledigen, die coop-Verwaltung nerven. In der zweiten Woche dann Orientierungsveranstaltungen von EAP, unserem Austauschprogramm, und die zum Glueck sehr kurze und erfolgreiche Zimmersuche. In der dritten Woche noch mehr EAP-Veranstaltungen und: TATATAAAAA: die ersten Vorlesungen!
Aber zurueck zu EAP: dank dieser Veranstaltungen habe ich gleich eine Menge nette Leute kennengelernt, von denen einige sicherlich gute Freunde werden.
Noch eine Zwischenanmerkung: Gerade hat Carmen angerufen, eine sehr liebe Mexikanerin, die ich auch vorletzte Woche kennengelernt habe. Wir treffen uns gleich zum Abendessen in ihrem Wohnheim. Die groesseren Wohnheime haben alle eine eigene Mensa, die allerdings besser ist (zumindest dort, die anderen habe ich noch nicht ausprobiert) als unsere Riesen-Mensen in Goettingen, vermutlich, weil sie einfach kleiner ist. UNd man bezahlt nur einmal und dann heisst es fuer diese Mahlzeit: all you can eat. Es gibt warmes Essen, Salat, Brot, Getraenke, Nachtisch, Obst....
Wir sind mittlerweile eine sehr nette Gruppe Leute und unternehmen viel zusammen: wir waren letzten Samstag in San Fransisco, Essen, Cocktails, Kino (Fight Club, Freya!!!).
Ich haette allerdings nicht erwartet, so viele Deutsche hier zu treffen! Die wird man ja nie los ;-)
Ich werde allerdings witzigerweise staendig gefragt, ob ich denn wohl aus Skandinavien (meist Norwegen) komme!!! Anscheinend hat mein Englisch wohl einen norwegischen Akzent, sehr seltsam! :-)
Was die Studenten allgemein angeht, sowie auch die internationalen Studenten, ist Asien ueberproportional gut vertreten. Man braucht also ausser Englisch und Spanisch auch noch dringend Chinesich oder sonstige asiatische Sprachen. Indianische sowie Afro-Amerikanische Studenten sind dagegen sehr selten anzutreffen.
So, dann werde ich mich mal von der Tastatur loesen und durch die Abendsonne zu Carmen wandern ;-)
Bald habe ich hoffentlich auch wieder einen Internet-faehigen Laptop (ich kauf mir einfach einen Mac, hehe!) und kann auch mal Fotos hochladen.
Bis dahin: viel Spass in Deutschland, ich hoffe, es ist nicht zu kalt... ;-) (kleiner Trost: ich habe leider erfahren, dass man hier gar nicht im Meer schwimmen kann, da es a) zu kalt ist b) zu starke Stroemung hat und c) voller Haie ist! :-( Aber ich kann mir immerhin einen vor 4 Uni-Pools auf dem Campus aussuchen, hihi!

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